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Ersticken und Verschlucken bei Babys

Funktionieren Hilfsmittel wie LifeVac oder Atemretter?

LifeVac

Schutzengel, Atemretter, LifeVac: Fremdkörper mittels Vakuum lösen

Ein Albtraum aller Eltern. Ein Kind verschluckt sich beim Essen und es droht zu Ersticken.
Absolut unersiös: Ein Anti-Erstickungsgerät unter dem Namen SchutzengelLifeVac oder Atemretter soll hier den Fremdkörper mittels Vakuum lösen. 

Absolut unersiös: Der Anbeiter des Schutzengel verwendet meinen persönliches Bild und meine Grafiken, um sein Gerät zu bewerben. Ich kann nur sagen: Hände weg von so einem Anbieter
Seit einiger Zeit werden in den sozialen Medien  „Anti-Erstickungsgeräte“ beworben und Videos gezeigt, die diese Geräte als "must have" darstellen. Ein genauer Blick auf dieses Prinzip lohnt sich. 

Anti-Erstickungsgerät: cleveres Marketing oder wirkliche Hilfe?

Das Prinzip ist einfach und vergleichbar mit dem „Pömpel“ beim Reinigen eines verstopfen Abflusses. Die Grundidee ist genial, die Umsetzung erfordert aber Erklärung!
Bei den Anti-Erstickungsgeräten handelt sich um ein Gerät mit einem Saugteil und Masken in unterschiedlichen Größen für Kinder und Erwachsene. Die Masken entsprechen im Prinzip den in der Notfallmedizin gängigen Beatmungsmasken. 
Das Gerät wird mittels passender (Größe) Maske aufgesetzt. Nachdem das Gerät auf Mund und Nase aufgedrückt wird und durch ein Ventil die Luft entweicht wird es zurückgezogen. Der plötzlich entstehende Unterdruck kann einen tiefsitzenden Fremdkörper lockern oder sogar heraussaugen. Es gibt Situationen, bei denen so ein Gerät wirklich eine Größe Hilfe darstellt. Menschen, die im Rollstuhl sitzen können gerettet werden, da weder ein Heimlich Manöver, noch das Prinzip "Oberkörper nach unten und Klopfen" anwendbar ist.
Sitz der Fremdkörper allerdings nicht fest (Korkenprinzip) ist der Erfolg eher fraglich. Wird das Gerät nicht richtig angewendet, bleibt der Erfolg ebenfalls aus. Das Schlimmste ist, dass man sich auf so ein Gerät verlässt. Denn man kann es nie immer dabei haben. Mein Fazit: nicht kaufen. 

Unseriöses Marketing - hart an der Grenze

Das Marketing auf Social Media zeigt Kleinkinder die sich verschlucken und Eltern in Paniksituationen. Ob die Videos bei Instagram oder TikTok wirklich echt sind oder nachgestellt sind, muss jeder selbst herausfinden. Der Größte Kritikpunkt sind aber völlig unzureichende Basismaßnahmen Link. Kindern wird ein paar mal auf den Rücken geklopft, der Fremdkörper wird nicht entfernt und dann: Schnitt - Kauf den LifeVac oder Atemretter !!! 

Ganz ehrlich, ich war ziemlich geschockt, wie man Videos dieser Art erstellt, nur um Eltern in maximale Panik zu versetzen um dann sein Produkt zu bewerben. Der Atemretter fällt hier unangenehm auf. In meinen Kursen kommen maximal verunsicherte Elten auf mich zu und bitten mich zu den Geräten Stellung zu nehmen. Das hat mich auf die Spur gebracht und gerade der TikTok Algorythmus hat einiges an Verwunderung bei mir ausgelöst. 

Gerade beim Thema Verschlucken sollten Eltern einen kühlen Kopf bewahren und vielleicht erst einmal überprüfen ob das Kind tatsächlich keine Luft mehr bekommt oder der Fremdkörper etwas "höher richtig Rachenraum" sitzt und das Kind einfach nur würgt. Hier wird der Würgereflex ausgelöst. Das ist noch keine Verlegung der Atemwege. Ein Kind das sich verschluckt benötigt ein paar kräftige Schläge auf den Rücken. Kopf bitte nach unten um die Schwerkraft zu nutzen. Auch das Heimlich-Manöver kann ab einem Jahr angewendet werden.

Lieber nicht kaufen

Keine europäische Leitlinie der großen medizinischen Fachgesellschaften empfiehlt bislang die Verwendung von Anti-Erstickungsgeräten. Die Begründung ist, dass damit eventuell die bisher erfolgreichen Maßnahmen nicht zum Einsatz oder erst mit Verzögerung zur Anwendung kommen. Auch muss man unabhängig des Geräts agieren können. 
Wer sich mit so einem Gerät ein Plus an Sicherheit verwirklichen möchte oder ein Kind hat, dass sich häufig verschluckt, der kann die Anschaffung in Betracht ziehen. 

Falsch angewendet - keine Wirkung

Bei der Anwendung der Geräte muss das Gerät Nase und Mund sicher umschließen und korrekt abdichten. Der Teil, der dem Kind aufgesetzt wird, entspricht einer Beatmungsmaske. Bei einer Masken-Beatmung kann man durch Druck gewährleisteten, dass die Maske dicht abschließt. Das kann jeder Profi. Bei einem Erstickungsnotfall wird das Gerät aber nach oben gezogen und die Maske dabei eventuell angehoben. Das ist dringend zu vermeiden! Sitzt das Gerät nicht dicht, hat es keinerlei Wirkung. Wertvolle Zeit geht verloren. 

Ein guter Beitrag zu Atemretter und Co

 

Gibt es auch Gefahren?

Es gibt Untersuchungen die zeigen, dass ein Vakuum auch erheblichen Druck auf die Zunge auslöst: Der LifeVac und ein anderes Geräte (DeChoker) wurden an einer Leiche getestet und zeigten, Zitat: "nur minimalen bis keinen Erfolg bei der Entfernung der Fremdkörper". Wohlgemerkt: eine Leiche ist kein lebendiges Kind. Dafür ist die Untersuchung unabhängig. Cashews und Weintrauben ließen sich schlecht entfernen, Cracker dagegen durch den LifeVac schon. 

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10278115/

Original oder Nachbau?

Das Original ist LifeVac aus USA. Im deutschen Sprachraum wird der Atemretter als "das Original" beworben. Was nun? Auf chinesischen Plattformen gibt es die Geräte für einen Bruchteil des Preises. Ich habe alle gekauft und ausprobiert, weil ich neugierig bin. Mein Fazit: teuer ist nicht immer gut....

 

 

 

 

Für das bisschen Plastik ist der Preis wirklich schon sehr stolz, wobei die Herstellung bei kaum mehr als 5 Euro liegen kann.  Wir haben das Original und den Nachbau verglichen und konnten keinen großen Unterschied finden. 

Die klassischen Maßnahmen müssen beherrscht werden !!!

Zusammenfassend würde ich keine allzu hohen Erwartungen an das Gerät stellen. An erster Linie stehen die bewährten Maßnahmen, die beherrscht werden müssen.

 

 

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